12.08.2012

Farmvertising

Werbung macht ja bekanntlich vor nichts halt. Sie dringt unaufhaltsam selbst in die letzten Ecken des Lebens vor. Ob man dies nun will oder nicht.

Es geht hier nicht um die lästigen Telefon-Marketer, die einem ein Zeitungsabo, eine Versicherung oder ein Handyabo unterjubeln möchten. Die Rede ist von Kommunikation, die an Orten auftritt, die man bisher für Werbung gar nicht in Betracht gezogen hatte. Meist jedoch ist solche Werbung nicht gerade von Kreativität geprägt. Als Beispiele sind hier die unsäglichen Werbe-Sujets an Skiliftmasten genannt, die einem beim Wintersport in der schönen Landschaft stören. Oder auf Velosattel-Schutzüberzügen aus billigem Plastik, die man zuerst wieder irgendwo loswerden muss, bevor man sich auf's Rad schwingt.

Seit kurzem haben nun findige Medien-Spezialisten einen neuen Kanal aufgetan. Obschon es diesen eigentlich schon lange gibt. Nur wurde er bislang eben nicht gerade professionell bearbeitet.

Die Rede ist von den im Sommer allgegenwärtigen Silage-Ballen auf den weiten Fluren in der Landschaft. Wer kennt sie nicht. Meisst sind sie weiss, riesengross und liegen verstereut herum oder werden zu wahren Burgen oder Silage-Staumauern gestapelt, bis sie dann im Winter dem lieben Vieh verfüttert werden.

Diese weissen, ungenutzten Flächen wurden hierzulande oft von den Bauern mit Werbebotschaften verziert. Das Artwork war eher grobschlächtig, oft mit einer Spraydose in schriller Farbe aufgebracht und die Textlichen Inhalte liessen auf eine Zugehörigkeit zu einer bestimmten politischen Partei schliessen.

Etwas raffinierter, aber sicher durch die Bauern inspiriert, zeigte sich hier eine Zürcher Werbeagentur. Die verwandelte just die Weissen «Rugeli» in Sushi-Rollen, um für ein Japan-Restaurant zu werben. Schon um einiges origineller als die Ursprungsversion der Bauern. Doch auch die Zürcher Werber waren nicht die ersten. Ein Isländischer Bauer verkaufte die Silageballen als Werbefläche für eine Käserei. Somit wurden die runden Ballen zu Käselaibern und zogen so die Aufmerksamkeit auf sich. Und vielleicht waren die Nordmänner ja auch nicht die ersten mit dieser Idee.

Man darf gespannt sein, was auf diesem Gebiet noch alles an Ideen kommt. Und es zeigt sehr schön, wozu Werbeagenturen doch da sind. Aus einer plumpen Propaganda-Aktion wird plötzlich originelle Land-Art. Oder eben neudeutsch «Farmvertising»! Und die könnte allemal besser sein, als Werbung auf Skiliftmasten oder Velosätteln.

Silageballen Propaganda 1.0! Neulich am Zugerberg.

Silageballen Propaganda 1.0! Neulich am Zugerberg.

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