19.07.2012

Onboard Entertainment #1

Nicht dass sie jetzt denken, ich schreibe nun über Airlines oder dergleichen. Ich meine mit Onboard Entertainment das, was man als Strassenverkehrsteilnehmer täglich so beim Warten an Verkehrsampeln geboten bekommt. Und zwar einfach um einen herum. Über dieses soll hier berichtet werden. In lockerer Reihenfolge.

Neulich, als meine Nerven in Erlenbach beim warten vor einer Baustelle auf das extremste strapaziert wurden, entdekte ich beim Anstehen weit hinter der Poleposition, eine grosse Aufschrift an einem Neubau. Diese lenkte mich nachhaltig vom Thema Verkehrsstau ab. Auf den Schaufenstern stand in hellgrauen Lettern zu lesen: «PEELOUNGE» und auf einer zweiten Zeile «COFFEE & MORE». Das mit dem Kaffee fand ich nicht weiter Unterhaltsam. Aber das mit dem Pee in einer Lounge, das beschäftigte mich doch ein weilchen. Was wollen uns die Inhaber dieses Coffeshops wohl mit dem Namen sagen? Handelte es sich um ene öffentliche Toilete mit Bar? Ich verstand es nicht. Auch meine Recherchen im Internet brachten kein Licht in's Dunkel. Ich hatte nur noch Fragen. Warum unbedingt Englisch? Namensgebung in Fremdsprachen ist offenbar Glückssache. Und wieso muss heute jeder Ort, in dem man sich setzen und einen «Latte» trinken kann auch sogleich eine «Lounge» sein? Rätsel, nur Rätsel. Aber dafür sehr unterhaltsam. Dann wurde die Ampel grün.

«PEELOUNGE» Was will uns das sagen?

«PEELOUNGE» Was will uns das sagen?


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12.07.2012

Schöne Worte #3

In den letzten Jahren wurde das Image einer bestimmten Berufsgruppe doch arg lädiert. Und dies nicht von ungefähr. Nämlich dasjenige der Finanzbranche. Einfacher gesagt, das der Banker.

Die Wortschöpfung «Bankster» scheint eine besonders schön gelungene zu sein, denn jeder versteht sogleich, worum es geht. Sei es nun, weil man die Praktika der horrenden Salär- und Bonizahlungen stossend findet. Vielleicht weil man Spekulation als gierige Abzockerei betrachtet. Oder einfach, weil wie in jüngster Vergangenheit in der Schweiz und aktuell im Euro-Raum, der Souverän die Rechnung bezahlen muss, für die Masslosigkeit und Misswirtschaft gewisser Finanzer.

Die schöne Wortschöpfung eignet sich im Übrigen auch ganz prima für den Boulevard. Ist sie doch kurz und prägnant, was die Headlines im Aufmacher eines jeden Revolverblattes grösser werden lässt.

Wenn es so weitergeht, wird uns dieses Wort noch lange erhalten bleiben. Man findet es mittlerweile im Duden (Szenesprache) und ein erstaunlicher Fakt kommt noch hinzu: diese Berufsgruppe unternimmt bis dato eher wenig wirklich nachhaltiges, um dieses schlechte Image wieder loszuwerden. Entweder kümmert es sie einfach schlicht nicht und man macht frei nach der Methode «ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich's dann ganz ungeniert» weiter. Oder es gibt wirklich noch kein wirksames Patentrezept, um vom Bankster wieder zum Banker zu werden. Es wird Zeit, dass hier ein Umdenken stattfindet.

Zum Schluss sei noch erwähnt, dass in einer aktuellen Studie, die in 16 Europäischen Ländern erhoben wurde („Reader’s Digest European Trust Brands“), mit der Frage «Welcher Berufsgruppe vertrauen Sie», die Finanzberater mittlerweile auf Platz 16 liegen, nur noch knapp vor Gewerkschaftsführern, Fussballspielern, Autoverkäufern und Politikern. Die Finanzer belegen also in einer illustren Gruppe die Schlussränge. An der Spitze sind Feuerwehrleute und Piloten!

Banker oder Gangster? Die grenzen erscheinen manchmal ganz schön fliessend.

Banker oder Gangster? Die grenzen erscheinen manchmal ganz schön fliessend.


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