13.04.2012

Bär M13 ist medienuntauglich!

Der aktuell im Unterengadin umherstreunende Braunbär mit dem bürokratisch klingenden Namen «M13» beschäftigt derzeit gerade ein wenig die Medien. Leider ist er aber eigentlich völlig medienunteauglich. Ganz einfach, wegen seines Namens, oder eben Codes.

Kleine Rückblende: vor nicht all zu langer Zeit wanderte ein Braunbär aus dem Trentino über Österreich nach Bayern ein. Es war der Bär mit der Code-Bezeichnung JJ1. Schnell gaben ihm die Österreicher den Namen «Bruno». Als JJ1 war «Bruno» ebenfalls medienuntauglich. Als «Bruno» hingegen erlangte er sehr schnell eine breite Bekanntheit.

JJ1 alias «Bruno» entwickelte sich vom «unauffälligen Bären» (Behörden-Jargon) zum «Problem Bären» und schliesslich zum «Risiko Bären», worauf man in Bayern beschloss, JJ1 ein Ende zu bereiten. Nur eben hiess JJ1, der «Problem Bär» nun bei der Bevölkerung «Bruno» und wurde von (fast) allen gemocht. Was nach seinem Abschuss in den Medien natürlich einen grossen Rummel verursachte und politische Differenzen zum Thema «Abschuss» auslöste. Das Medien-Echo wäre sicherlich kleiner ausgefallen, hätte der Bär einfach nur JJ1 geheissen.

Ein weiterer Bär, der den Code JJ2 trug, wanderte 2005 aus dem Trentino in die Schwez ein. Sehr schnell witterte da die Boulevard-Presse, nach dem Rummel um Bär «Bruno» eine Chance. Der Blick schrieb sogleich einen Namenswettbewerb aus. Über 40% der Stimmenden gaben JJ2 den Namen «Lumpaz», was aus dem Romanischen übersetzt «Lausbub» bedeutet.

«Lumpaz» war eine Sensation und lieferte dem Boulevarblatt so einige Stories. Leider war aber plötzlich der Bär JJ2 alias «Lumpaz» wie vom Erdboden verschluckt, auf nimmerwiedersehen verschollen und blieb es bis heute.

Ein weiterer Petz aus dem Trentino, der Bär mit dem Codenamen JJ3, beschäftigte die Boulevard-Presse erneut 2008. Er durchlief wie sein Bruder JJ1 alias «Bruno» die behördentliche «Bärenmanagement-Klassifizierung» vom «unauffälligen Bären» bis zum «Risikobär» und wurde daraufhin per Regierungsbeschluss «Entfernt», wie man den Abschuss im Amtsdeutsch etwas euphemistisch nennt.

Erstaunlich war, dass das Medien-Echo deutlich kleiner war, als zuvor bei «Bruno» und bei «Lumpaz». JJ3 ist einfach eine Nummer gebieben, auch wenn er der erste Bär seit über 100 Jahren war, der offiziell in der Schweiz abgeschossen wurde.

Stellt sich die Frage, wie lang es dauern wird, bis sich die Blättermacher des Blick anschicken, für den aktuellen Bündner Bären, M13, einen medial brauchbaren Namen zu finden. Für einen Aufmacher auf der Titelseite wäre es klar von Vorteil.

Ich mach hier schon mal den Anfang und nenne ihn einfach «Bobo». Herr Baumann möge mir verzeihen, aber der Name klingt nun mal bärig und herzig und ist nur rein zufällig und keineswegs absichtlich ähnlich, mit seinem Künstlernamen. Weitere Vorschläge nehme ich hier gerne entgegen.


Bericht über M13 in der NZZ vom 11. April 2012

Braunbär vergnügt sich. <i>Bild: U.S. Fish & Wildlife Service, S. Hillebrand</i>

Braunbär vergnügt sich. Bild: U.S. Fish & Wildlife Service, S. Hillebrand


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